Mit der Plastiktüte in den Knast?

Deutschlands Image im Ausland ist noch immer geprägt von einem scheinbar hohen Umweltbewusstsein und entsprechenden politischen Projekten, wie der Energiewende. Beim Vorgehen gegen Plastikmüll könnte sich unsere Regierung allerdings bei einigen Ländern etwas abschauen. Diese vier Staaten gehen deutlich konsequenter gegen die Plastikflut vor als Deutschland:

Kenia: Haftstrafe für Plastiktüten-Nutzung

Eine der wohl strengsten Regelungen zu Einwegplastik findet sich nicht etwa in einem industrialisierten, westlichen Land in der EU oder Nordamerika, sondern direkt am Äquator in Afrika: In Kenia riskieren Verbraucher, ins Gefängnis zu wandern, wenn sie Plastiktüten benutzen. Und zwar nicht nur für einige Tage, sondern bis zu vier Jahre!

Das hat seine Gründe. Ein funktionierendes und flächendeckendes Recycling-System zu schaffen ist in Kenia keine leichte Aufgabe. Um dem dringend nötigen Umweltschutz nachzukommen, musste die Regierung also zu drastischeren Maßnahmen greifen: Und verbot Plastiktüten kurzerhand vollständig. Wird man seit Ende 2017 mit einer der Tüten auf der Straße erwischt, droht die eben genannte Haftstrafe oder ein Bußgeld von bis zu 32.000 Euro.

Dass Deutschland derart harte Maßnahmen kopiert, wünscht sich vermutlich niemand. Aber ein konsequentes Verbot könnte sicherlich mehr bewirken als die langsam voranschreitende Verbannung der Tüten aus deutschen Supermärkten.

Großbritannien: Excuse me. Kein Mikroplastik, bitte.

Während Deutschland auf eine Selbstverpflichtung der Hersteller setzt und die Europäische Union über ein Verbot nachdenkt ist das Brexit-Land Großbritannien schon viel weiter: Seit Anfang 2018 ist die Produktion von mikroplastikhaltigen Kosmetikprodukten, wie Peelings oder Zahnpasta untersagt. Ab Juli folgt dann auch ein vollständiges Verkaufsverbot. Damit geht das Land jenseits des Ärmelkanals weltweit mitunter am strengsten gegen die kleinen, umweltschädlichen Plastikpartikel vor.

Auch wenn das Gesetz in Großbritannien einigen nicht weitreichend genug ist, kann es sicherlich als effektiver als die Maßnahmen in Deutschland eingestuft werden. Der freiwillige Verzicht auf Mikroplastik der Hersteller ist schön und gut. Allerdings besteht hier das Problem, dass jeder definieren kann, was unter Mikroplastik zu verstehen ist. Wie die taz berichtet, definiert der deutsche Hersteller Beiersdorf Mikroplastik zum Beispiel nur als Polyethylen. Andere Kunststoffe, wie Nylon, können dann aber weiterhin benutzt werden. Nach wie vor liegt es an uns als Verbraucher, gezielt mikroplastikfreie Kosmetik zu suchen. Dabei helfen komplett plastikfreie Marken, wie etwa Marie Natur.

Großbritannien geht hier – ganz ohne Druck aus Brüssel – also um einiges effektiver gegen das Umweltproblem vor.

Frankreich: Au revoir, Plastikgeschirr

Ab 2020 sind französische Picknicks deutlich plastikfreier als zuvor: Denn vor knapp zwei Jahren beschloss die damalige Regierung unseres Nachbarlandes unter François Hollande das Verbot von Einweg-Plastikgeschirr. Anstatt Gabeln, Teller und Becher aus Einweg-Kunststoff in den Einkaufswagen zu packen, sind die Franzosen dann gezwungen auf nachhaltigeres, biologisch abbaubares Besteck und Geschirr, zum Beispiel aus Bambus, zurückzugreifen.

Bis 2020 haben die Produzenten nun Zeit, ihre Plastik-Produkte einzustellen und stattdessen nachhaltigere Alternativen anzubieten. Übrigens: Auch den Plastiktüten haben die Franzosen bereits den Kampf angesagt. Seit Juli 2016 sind sie verboten und in keinem Supermarkt mehr zu finden.

Ruanda: Afrikanischer Vorreiter gegen Plastik

Auch wenn Kenia deutlich härtere Strafen verhängt, hat Ruanda seine Umstellung weg von der Plastiktüte weit früher begonnen. Schon seit 2006 gilt das Plastiktütenverbot in dem kleinen ostafrikanischen Land.

Das betrifft unter anderem auch Reisende. Wer in Ruanda landet, muss sein Gepäck untersuchen lassen. Sollten sich darin Plastiktüten befinden, werden sie konfisziert. Stattdessen erhalten Einreisende braune Papiertüten als Ersatz. Allgemein sind die Tüten aus Papier schon weit verbreitet und werden in Supermärkten ausgehändigt. Kein Wunder also, dass die ruandische Hauptstadt Kigali zu den saubersten den Kontinents zählt.

Das Verbot gilt im Übrigen auch für Plastikfolien. Hotels beispielsweise benötigen eine spezielle Lizenz, wenn sie weiterhin ihre übrig gebliebenen Lebensmittel mit Frischhaltefolie konservieren wollen.